LTE-Internet

UMTS in seiner ursprünglichen Form ist bereits Technologiegeschichte, die darauf basierenden Technologien HSDPA und HSPA+ werden in absehbarer Zeit den gleichen Status erreicht haben. Das Zeitalter von 3G geht zu Ende. Mit dem Technologiestandard LTE (Long Term Evolution) hat ein Nachfolger Marktreife erlangt, der mit einer relativ einfachen Erweiterung der Mobilfunk-Infrastruktur gleichsam neue Dimensionen im Bereich der mobilen Datenübertragung eröffnet. Die Mobilfunkanbieter zeigen bei der Gestaltung erster Angebote allerdings eine gewisse Zurückhaltung.

LTE kann eigentlich alles besser: Es ist schneller, erlaubt größere Zellen, breitet sich besser in der Fläche aus und durchdringt feste Strukturen, wie beispielsweise Gebäudewände, besser als UMTS.

Zunächst der Geschwindigkeitsaspekt: Derzeit werden für LTE Downloadraten von 50 bis 100 MBit/s genannt. Das entspricht dem Geschwindigkeitskorridor, innerhalb dessen derzeit VDSL via Glasfaser angeboten wird. Doch es geht noch schneller: Ein skandinavischer Konzern führte LTE in Barcelona schon mit einer Übertragungsrate von 1.000 MBit/s im Downlink vor. Die fernöstliche Konkurrenz aus Taiwan brachte es dann bei einer Demonstration in Las Vegas sogar auf 1,2 GBit/s und hält damit den Rekord.

Mobiles Internet und Mobilität sollten eigentlich kein Widerspruch sein. Selbst in modernen Zügen, die mit Repeatern ausgestattet sind, hat man bei der Nutzung mobiler Datendienste so seine liebe Not. Das soll mit LTE der Vergangenheit angehören. Zwei Punkte sprechen dafür, dass es sich dabei nicht um ein bloßes Werbeversprechen handelt: Erstens kann für LTE der Frequenzbereich um 800 MHz genutzt werden, der früher dem terrestrischen Fernsehen vorbehalten war. Das Stichwort in diesem Zusammenhang lautet „Digitale Dividende“. Gemeinsam mit weiteren Frequenzen im 2,6 GHz-Bereich wurden diese im Mai 2010 für ca. 4,4 Milliarden Euro an die Mobilfunkanbieter versteigert. Im ländlichen Raum wird bevorzugt der Bereich um 800 MHz zum Einsatz kommen. Der Vorteil ist eine hohe Reichweite. Den LTE-Anbietern obliegt zudem die Pflicht, eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Breitband-Internet zu gewährleisten. Zweitens können die Empfangsgeräte mit mehreren Antennen ausgestattet werden, was die Verbindungsqualität erhöht.

Seit dem Herbst 2010 gibt es in Deutschland die ersten LTE-Angebote. Die Mobilfunkanbieter wollen zunächst 1.000 bis 1.500 Städte und Regionen mit LTE ausrüsten. Was die angebotene Bandbreite betrifft, liegt das Spitzenangebot in puncto Geschwindigkeit (Stand: November 2010) bei 50 MBit/s. Sobald ab etwa Anfang 2011 LTE-fähige Endgeräte in nennenswerter Stückzahl am Markt angeboten werden, kann mit einer Erweiterung der Angebotsstruktur gerechnet werden.

Auch wenn im Zusammenhang mit LTE vielleicht häufiger von 4G die Rede ist: Die Internationale Fernmeldeunion (ITU, für International Telecommunication Union), eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, hat LTE als 3,9G definiert. Dennoch ist 4G bereits in Sicht: An der Standardisierung von LTE Advanced wird schon fleißig gearbeitet.